Drei ausgefallene Outdoor-Erlebnisse in Hessen

Drei ausgefallene Outdoor-Erlebnisse in Hessen

Langsam aber sicher kommt die warme Jahreszeit näher und damit hoffentlich auch eine weitgehend von Corona und Lockdowns befreite Zeit. Weite Reisen werden wohl auch dieses Jahr eher zu vermeiden sein und viele werden ihren Urlaub daher in heimatlichen Gefilden verbringen. Damit den Outdoor- und Naturliebhaber keine Langeweile befällt, gibt es hier jetzt drei ausgefallene Outdoor-Erlebnisse in Hessen, um in die Natur abzutauchen.

Weitblick der Extraklasse

Wer in Hessen in die Ferne schweifen möchte wartet schönes Wetter ab und macht einen Ausflug in die Rhön. Auf Kreuzberg, Wasserkuppe und Co tummeln sich regelmäßig die Besucherströme, um den Ausblick über weite Teile Hessens, Thüringen, Bayern und natürlich über die Hügelketten der Rhön zu genießen.

Sternenpark Rhön

Besonders die Wasserkuppe, mit ihrer Flugschule und dem bekannten Radom zieht am Wochenende tausende Besucher an. Doch die wenigsten ahnen, dass der wahre Schatz der Rhön, insbesondere der des Roten und Schwarzen Moores, erst nach Einbruch der Dunkelheit zum Vorschein kommt.

Da die Rhön in vielen Gebieten weitgehend frei von Lichtverschmutzung ist, wurde sie als eine von ganz wenigen Regionen Deutschlands als Sternenpark ausgezeichnet. Es lohnt sich also, das Auflösen der Besuchergruppen abzuwarten und die Nacht hereinbrechen zu lassen, um zum Beispiel am Moorweiher, im Roten Moor die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen. Der Sternenhimmel lässt sich hier zu jeder Jahreszeit in einer in Hessen einmaligen Intensität bestaunen, vorausgesetzt, das Wetter passt. Es lohnt sich Kamera und Fernglas einzupacken und die Natur mal auf ganz andere Weise zu genießen. Und natürlich festes Schuhwerk nicht vergessen.

Rotes Moor, Schwarzes Moor und Wasserkuppe sind gut ausgeschildert und mit ausreichend Parkplätzen ausgestattet.  Die Moore sind mit Stegen und sicheren Wanderwegen versehen, niemand kann hier im Schlick verschwinden. Wandern und Sternegucken sind kostenfrei.

Tiefblick

Von einer weiten Aussicht kommen wir nun zu einem spannend Tiefblick ins Innere unserer Erde. In einem über 400 Millionen Jahre alten Korallenriff nahe Herborn hat sich eines der größten, schönsten und wissenschaftlich bedeutsamsten Höhlensysteme Deutschlands entwickelt – das Herbstlabyrinth.

Ein über 13 Kilometer langes Höhlensystem aus Gängen, Hallen und Flusstunneln, geschmückt von Stalaktiten, Stalagmiten, Stalagnaten, Sinterfahnen, Kryokalziten, Sinterperlen und Exentriques. Wer mit diesen Begriffen nicht so richtig was anfangen kann, der hat die Möglichkeit, an einer Führung in die Knöpfchenhalle teilzunehmen – dem für Besucher zugänglich gemachten Schauhöhlenbereich des Herbstlabyrinths.

Durch den Zugangsstollen folgt man dem Guide in die Tiefe und wandelt schließlich auf gut angelegten Stegen durch die von Tropfsteinen geschmückte Halle, während man die Entstehung und die Entwicklungsgeschichte der Höhle spannend nähergebracht bekommt. Nachmittags und abends hat man öfter das Glück, die Höhlenforscher auf der Rückkehr von ihren Forschungstouren anzutreffen, die aus einem der Löcher in der Schauhöhle gekrochen kommen, denn die Höhle wird von der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen e.V. aktiv erforscht.

Tiefblick Herbstlabyrinth

Die Höhle ist direkt an der Straße von Erdbach nach Breitscheid gelegen und verfügt über ausreichend Parkplätze. Der Eintritt für Erwachsene liegt bei neun Euro, für Kinder (4-14 Jahre) 6 Euro.

Wer früh dran ist sollte anschließend unbedingt noch den Karst- und Höhlenlehrpfad wandern, der an Dolinen und Bachschwinden vorbei, durch eine Schlucht hindurch und schließlich zurück zur Höhle führt. Alle oberflächlich sichtbaren Phänomene des Höhlengebietes werden hier gut erklärt und können ausgiebig bestaunt werden.

Hessen vertikal

Zurück aus dem Reich der Dunkelheit, geht es jetzt senkrecht der Sonne entgegen. Wer glaubt, ansehnliche Klettersteige und Felswände zum Sportklettern gäbe es nur in den Alpen oder in bekannten Klettergebieten, der täuscht sich. Auch das basaltdominierte Hessen ist im Besitz vom ein oder anderen Kleinod für Kletterbegeisterte.

Mitten im Laubwald nahe Heinstadt im Odenwald liegt ein alter Sandsteinbruch. Vor ca. 40 Jahren wurde hier in einer rund 40 Meter hohen Sandsteinwand der Starkenburger Klettersteig angelegt, als Geschenk zum hundertjährigen Jubiläum der DAV-Sektion Starkenburg. Vom Wanderparkplatz an der Straße nach Wald-Amorbach führt ein Pfad in den abgelegenen Steinbruch. Hier wurden neben dem Klettersteig auch noch 53 Sportkletterrouten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angelegt. Wenn man sich der durchschnittlichen Schwierigkeit von C/D des Klettersteigs gewachsen fühlt, kann es losgehen. 

Starkenburger Klettersteig

Der Einstieg erfordert eine kurze Grätsche, um sich ins Drahtseil einzuklinken und dann startet die Traverse nach links. Der Steig führt nun in Serpentinen und senkrecht entlang von Kaminen nach oben, wobei man fast ausschließlich natürliche Leisten und Grübchen, im Fels, als Tritte nutzt, denn Eisenstifte gibt es kaum. Im Oberen Wanddrittel hat man dann auch noch einen schönen Ausblick auf die Burg Breuberg, die anschließend einen Besuch wert ist.

Die Zufahrt ist simpel und das Parken kostenfrei.

Nur eine Auswahl

Die genannten Ausflugsziele sind natürlich nur eine Auswahl der ganz besonderen Outdoor-Erlebnismöglichkeiten. Hessen hat zum Beispiel mit Rothaarsteig, Bergbau im Westerwald und Richelsdorfer Gebirge, dem Dietzhölztal, der Karstquelle in Ulfen und den vielen Schlössern und Burgen natürlich jede Menge für den Outdoorer zu bieten und lässt immer eine Möglichkeit zum Aufbruch in ein Mini-Abenteuer offen.

Tim Wiegel

Tim Wiegel

Freelancer bei Doorout.com

Von Kleinauf draußen unterwegs, hat es ihn immer wieder in die verschiedensten Facetten des Outdoor-Sports getrieben. Neben dem Wandern und Bergsteigen ist er dann vor allem bei der Höhlenforschung hängengeblieben. Auf der Suche nach den letzten echten Abenteuern zieht es ihn immer wieder in die verborgene Unterwelt.

Petzl Sirocco

Petzl Sirocco

Immer mehr Bergsportler und Alpinisten trimmen ihr Ausrüstungsgewicht so weit es nur geht, denn je weniger Gewicht am Körper, desto flexibler ist man und umso weniger Energie wird benötigt. Kein Wunder also, dass renommierte Bergsportartikelhersteller, wie Petzl, dieses Klientel bedienen und Ultralight-Ausrüstung auf den Markt bringen, so wie den High-End Helm Sirocco von Petzl.

Er ist mit seinen 160g (Größe 1) der aktuell leichteste Helm der Welt und einer der beliebtesten obendrein. Doch was taugt dieses filigrane Leichtgewicht, wo macht sein Einsatz Sinn und wie sicher ist er?

Tim mit dem Petzl Sirocco
Helm, Seil, Eispickel und Co.
Innenansicht des Petzl Sirocco

Leichtbauweise

Im Sirocco ist so viel wie nötig und so wenig wie möglich Material verbaut. Rundherum wurden große Lüftungsöffnungen in den Helmkörper eingelassen, die neben einer optimalen Durchlüftung natürlich auch für ein dickes Minus an Gewicht sorgen. Der komplette Helm besteht aus zwei Hartschaum-Komponenten, einmal das Innenmaterial, ein EPS-Schaum (Styropor) und dann die Außenschale aus EPP-Schaum (expandiertes Polypropylen) zu deren Funktion ich später noch komme. Die Oberseite wurde mit einer Hartschalenplatte ausgestattet. Ein Rädchen, oder eine Schiene zur Anpassung des Helmes an den Kopf gibt es natürlich auch nicht, hier hat Petzl ein reines Gurtsystem verbaut, das allerdings erstaunlich gut funktioniert und natürlich einen Hauch von Nichts wiegt.

Komfort

Der Sirocco ist der mit Abstand bequemste Helm, den ich bisher getragen habe. Zum einen kommt das natürlich durch das geringe Gewicht, denn teilweise vergisst man tatsächlich, dass man überhaupt einen Helm aufhat. Zum anderen kommt das aber durch die Form des Helmes, denn er umfasst den ganzen Schädel und zieht hinten schön weit runter, dadurch wackelt nichts und hat man den kleinen Gurt einmal angezogen, sitzt der Helm wie angegossen. An der Stirn hat sich Petzl zu ein paar Gramm Luxus in Form einer kleinen, aber ausreichenden Polstereinlage hinreißen lassen, die sich aber abnehmen und austauschen lässt. Die Schnalle am Kinn wurde mit einem Magnetverschluss ausgestattet, was diese einhändig und mit dicken Handschuhen bedienbar macht.

Sicherheit

Zugegeben, auch ich hatte zu Beginn meine Zweifel, ob ich diesem ultraleichten Stück Styropor mein Leben anvertrauen sollte, doch die Zweifel waren unbegründet. Beim reinen Hartschalenhelm ist es so, dass man Schäden durch Stürze oder Steinschlag nicht direkt sieht, die Formbarkeit des Materials aber dennoch in der Regel  soweit beeinträchtigt wurde, dass die Hersteller zum Entsorgen raten. Außerdem haben Hartschalenhelme kein Material verbaut, dass die Stoßenergie wirklich absorbieren könnte, das einzige Material, was hier die Energie aufnimmt und weitergibt, ist der Kopf selbst.

Bei sog. Inmold- und High-End-Helmen (Sirocco) ist es so, dass der den Kopf umgebende Hartschaum (EPP und EPS) die gesamte Stoßenergie aufnimmt, sich entsprechend verformt und die Energie dadurch absorbiert. Man sieht die Schäden zwar deutlich und auch diese Helme müssen nach einem Sturz oder Steinschlag entsorgt, bzw. eingetauscht werden, dennoch schützt diese Konstruktion den Kopf effizienter. Beim Sirocco wird die weiche EPS-Innenschale von der harten EPP-Außenschale umgeben, das Aufeinandertreffen dieser unterschiedlich harte Materialien macht die Aufnahme und Umverteilung der Stoßenergie noch effizienter.

Befestigungssystem des Petzl Sirocco
Eindruckstelle nach Sturz
Eindruckstelle am Helm nach Sturz

Befestigungsmöglichkeiten

Durch zwei kleine Clips an der Stirn, einem an der Hinterseite und einem Riemen lassen sich Kopflampen aller Art anlegen. Außerdem sind an den Seiten winzige Löcher eingelassen, die das Befestigen des Visiers von Petzl ermöglichen.

Einsatzmöglichkeit

Durch seine Konstruktion kann er für nahezu jede Alpinsportart verwendet werden, vom Hochtourengehen, übers Eisklettern, Felsklettern, Bigwall-Klettern, sogar bis hin zum Skitourengehen, denn er ist mit der CE-Zertifizierung für Skitourenhelme ausgestattet.

Während er im Sommer den ganzen Tag am Kopf sitzen kann und jeden Hitzestau verhindert, lässt er sich im Winter perfekt an dickere Kopfbedeckungen anpassen und ist daher das richtige Gimmick für jedes Wetter und jede Jahreszeit.

Fazit

Man muss ihm vertrauen, dem Petzl Sirocco, aber wenn man ihn lässt, wird er zu einem treuen Begleiter, den man nicht mehr missen möchte. Gute Durchlüftung und angenehmes Tragegefühl, selbst bei extremer Hitze, wie wir sie die letzten Jahre zur genüge erlebt haben. Und vor allem ein Plus an Sicherheit! 

Ich bin letztes Jahr am Berg abgestürzt – ein Stein hat mich am Kopf getroffen, ich wurde ohnmächtig und bin 30 Meter einen sechzig Grad steilen Hang runtergestürzt. Saltos durch die Luft und immer wieder hart mit dem Kopf aufgeschlagen, hätte ich den Sirocco nicht aufgehabt, könnte ich diesen Bericht heute nicht mehr schreiben und der einzige Grund, weshalb ich ihn überhaupt noch aufhatte, denn an dieser Stelle des Abstieges hat man seinen Helm eigentlich seit über einer Stunde nicht mehr an, war das quasi nicht vorhandene Gewicht, wodurch ich ihn einfach aufließ, denn ob er auf dem Kopf sitz oder nicht, macht vom Gefühl her kaum einen Unterschied!

Tim Wiegel

Tim Wiegel

Freelancer bei Doorout.com

Von Kleinauf draußen unterwegs, hat es ihn immer wieder in die verschiedensten Facetten des Outdoor-Sports getrieben. Neben dem Wandern und Bergsteigen ist er dann vor allem bei der Höhlenforschung hängengeblieben. Auf der Suche nach den letzten echten Abenteuern zieht es ihn immer wieder in die verborgene Unterwelt.

Sicherheit am Berg – #helmetup

Sicherheit am Berg – #helmetup

Immer wieder begegne ich in den Bergen Menschen, die selbst in steinschlag- und sturzgefährdetem Gelände keinen Helm tragen. Entweder aus Faulheit und Unwissenheit, oder aus tiefster Überzeugen, weil ein Helm im Falle eines Sturzes eh nichts bringen würde. Doch was ist wirklich dran, am Schutzfaktor Helm?

#helmetup

Der Kletterausrüster Petzl hat vor einiger Zeit die Kampagne, ,,helmetup“, ausgerufen. Damit will man eben diesen ,,Helmverweigerern“ begegnen und Aufklärung betreiben. Denn dass der Helm im Fall der Fälle über Leben und Tod entscheiden kann, ist keine Ansichtssache, sondern empirisch belegbar!

Egal ob bei Steinschlag oder Sturz – in beiden Fällen wirkt eine gewisse Stoßenergie auf den Schädel ein. Ein Helm bildet eine Zwischenschicht, die die Stoßenergie absorbiert und umverteilt, um den Schädel vor lebensbedrohlichen und tödlichen Verletzungen zu bewahren.

Tim mit Helm am Berg
Helmetup auch Untertage

Normsache

Damit ein Helm in Europa fürs Bergsteigen und Klettern zugelassen werden kann, muss er der Norm EN-12492 entsprechen.
Wie ist der Ablauf des Normtestverfahrens?

  1. Konditionierung: Dabei wird ein 5kg-Gewicht aus zwei Metern Höhe auf den Helm herabgestürzt. Die auf den Kopf einwirkende Kraft darf 10kn nicht überschreiten.
  2. Frontale, laterale, dorsale Energieaufnahmeprüfung: Während der Helm um 60 Grad geneigt ist, wird eine 5kg schwere Stahlplatte jeweils auf eine der vier Seiten des Helmes aufgeschlagen. Die auf den Kopf übertragene Kraft darf ebenfalls 10kn nicht überschreiten.
  3. Durchdringungsprüfung: Ein 3kg schwerer Kegel wird aus einem Meter Höhe zweimal auf den Helm gestürzt. Die Spitze des Kegels darf die Kopfhaut nicht berühren.
  4. Festigkeit des Tragesystems: Hierbei wird das Tragesystem mittels zweier Zylinder einer Zugprüfung unterzogen, um die Dehnbarkeit des Riemens zu testen. Diese Dehnbarkeit darf sich nur in einem bestimmten Rahmen bewegen.
  5. Wirksamkeit des Tragesystems: Hier wird unter einer Belastung von 10kg versucht, die Hinter- beziehungsweise Vorderseite des Helmes nach schräg Oben wegzuziehen. Der Helm darf dabei nicht vom Kopf rutschen.

Moderne Helme entsprechen außerdem dem UIAA-106-Standart, der etwas strenger als das EN-Pendant, dafür aber freiwillig ist und sind CE zertifiziert.

Innenansicht Helm
Norm & Gewicht
Norm & Gewicht

Keine Sturzhelme

Gemäß EN-12492 und UIAA-106 genormte Helme sind keine Sturzhelme, sondern schützen lediglich vor herabstürzenden Gegenständen.

In einer amerikanischen Studie (2017) wurden Modelle der drei Helmarten in frontalen, lateralen und dorsalen Sturzszenarien geprüft. Heraus kam, dass alle drei Helmarten im Falle eines Sturzes keinen zufriedenstellenden Aufprallschutz bieten. Die Inmold-Helme haben dabei jedoch am Besten abgeschnitten und in einigen Tests unterhalb der Verletzungsgrenze bestanden.

Die drei Helmarten

Hartschalenhelme

Mit wenig mehr als einer stabilen und robusten Plastikschale und einem Gurtsystem ausgestattet, ist er der preisgünstigste und robusteste Helm. Man kriegt ihn schwer kaputt, muss wenig bezahlen und bei Steinschlag schützt er exzellent. Allerdings ist er auch der schwerste Helm und bietet bei Stürzen wenig Schutz.

Hartschalenhelm

Hybridhelme

Diese Helmkategorie besteht aus Elementen der Hartschalen- und Inmold-Helme. Sie besitzen eine ebenso robuste, allerdings meist etwas dünnere, rundumlaufende Hartschale wie die Hartschalenhelme. Sie sind aber im oberen Innenraum, teilweise auch fast im kompletten Innenraum, mit einem dämpfenden Schaum ausgekleidet. Diese Helme sind etwas leichter, aber genauso robust wie die Hartschalenhelme und bieten ein Plus an Dämpfung und Schutz.

Hybridhelm

Inmold-Helme

Hierbei handelt es sich um sogenannte aufgeschäumte Helme. In eine Polycarbonat-Schale wird EPP-Schaum aufgeschäumt und somit eine weiche, dämpfende Schicht mit einer schützenden, leichten Außenschale kombiniert. Diese Helme umfassen den Kopf umfänglich, meist bis weit in den Nacken herunter. Dadurch absorbieren sie die Stoßenergie bei Stürzen am Effizientesten.  Außerdem handelt es sich hier um die leichtesten, allerdings auch teuersten und am wenigsten langlebigen Helme.

Inmold-Helm

TOP-AND-SIDE-PROTECTION-Label

Seit der amerikanischen Studie hat sich einiges im Thema Sturzsicherheit getan. Die Normen werden zumindest diskutiert und die Hersteller versuchen ihre Helme freiwillig immer sicherer zu bauen.
Petzl hat mittlerweile ein eigenes Label mit eigenem Testverfahren entwickelt, um seine Helme auch Sturzsicher zu machen. Die vorherrschenden Normen beziehen sich nur auf den oberen Teil des Helmes, nicht wirklich auf die Seiten. Doch die mit diesem Label ausgezeichneten Petzl-Helme werden, ähnlich der amerikanischen Studie, frontalen, lateralen und dorsalen Aufpralltests unterzogen. Diese Helme verfügen über einen so guten Aufprallschutz, dass sie sogar über die CE-Zertifizierung für Skitourenhelme verfügen.

Der richtige Helm

Welchen Helm nehme ich denn jetzt wofür?

Hartschalen- und Hybridhelme werden gerne von Einsteigern für moderate Bergaktivitäten wie Klettersteige verwendet. Gerade der Hybridhelm kann für nahezu jede Sportart verwendet werden und erfreut sich aufgrund seiner robusten und vergleichsweise sicheren Bauweise großer Beliebtheit.

Beide bieten guten Schutz bei Steinschlag, sind robust, sehr langlebig und preisgünstig. Allerdings bietet vor allem der reine Hartschalenhelm bei Stürzen nur einen minderen Schutz und ist mit einem Gewicht von 300-500 Gramm sehr schwer und daher nicht wirklich für langes Tragen, bei anspruchsvoller Aktivität geeignet.

Die Inmold-Helme werden häufig für lange und/oder anspruchsvolle Touren und Klettereien verwendet. Sie sind sehr leicht und bequem. Sie umschließen den ganzen Kopf mit ihrem Hartschaum und bieten daher nicht nur bei Steinschlag, sondern auch bei Stürzen mittlerweile einen guten Schutz. Allerdings sind sie relativ teuer und nicht sehr langlebig, da die Oberfläche sehr anfällig für Beschädigungen ist.

Tim Wiegel

Tim Wiegel

Freelancer bei Doorout.com

Von Kleinauf draußen unterwegs, hat es ihn immer wieder in die verschiedensten Facetten des Outdoor-Sports getrieben. Neben dem Wandern und Bergsteigen ist er dann vor allem bei der Höhlenforschung hängengeblieben. Auf der Suche nach den letzten echten Abenteuern zieht es ihn immer wieder in die verborgene Unterwelt.

Der Arctic Circle Trail in Grönland

Der Arctic Circle Trail in Grönland

Auf dem 164 km langen Fernwanderweg in Grönland bekommt man so einiges geboten, vor allem wenn man ihn im tiefsten Schnee abwandert! In meinem Trip aus 2014 habe ich hier kurz nach meinem Geburstag am 2.Juni den Weg nach Sisimiut auf mich genommen, um von dort für die nächsten 11 Tage Richtung Osten nach Kangerlussuaq zu wandern. Neben Hüfthohen Schnee hatten mein Mitstreiter Tim und ich dabei auch noch mit der ersten Mosqito Welle des Jahres zu kämpfen. Aber fangen wir am besten am Anfang an.

Grönland ist ein faszinierendes Land, vor allem wenn man bedenkt, dass 82% davon unter Eis und Schnee begraben sind! Daher spielt sich das meiste Leben auch an den Eisfreien Küstenregionen ab. Für Wanderfans hat das Land jedenfalls einiges zu bieten und der Arctic Circle Trail (ACT) ist dabei wohl der bekannteste Weg. In guten Wetterbedingungen kann man ihn an 9 Tagen locker ablaufen im Sommer, kommt man aber – wie ich – etwas früher und begeht den Weg im tiefsten Schnee ohne Schneeschuhe, dann dauert das Ganze auch gerne ein paar Tage länger.

In diesem Blog Beitrag werde ich euch meine Erfahrung auf dem ACT Trek wiedergeben. Ein super Buch mit Details zu den einzelnen Streckenabschnitten gibt es von Paddy Dilon auf Amazon in Englischer Sprache: Trekking in Greenland: The Arctic Circle Trail. Im Vergleich zum einzig deutschen Buch, Grönland: Artic Circle Trail (Der Weg ist das Ziel), bietet das Englische die etwas detaillierten Kartenausschnitte an, welche mir persönlich gut gefallen haben. Am besten einfach mal online durchblättern und vergleichen!

Das aufgespannte Tarp für das Nachtlager
Das Lagerfeuer brennt
Aufgespanntes Tarb und die Hängematte

Vorbereitung

Die Vorbereitung für einen  abgelegenen Trek wie den ACT ist natürlich sehr wichtig. Von Ende Juni solltet ihr so gut wie keinen Schnee mehr auf der Strecke haben und dann ist der Trek an sich auch recht einfach zu bewältigen. Vielleicht etwas zu einfach? Das dachte ich mir jedenfalls und bin schon Anfang Juni angereist um noch etwas mehr Schnee und vor allem weniger Leute auf dem Trek zu haben. Letztendlich gab es dann viel mehr Schnee als erwartet und bis auf uns gab es nur noch eine weiteres Pärchens, welche in der Mitte des Treks hängengeblieben sind und auf den Helikopter zwecks Evakuierung gewartet haben.

Zum Thema Ausrüstung kann ich euch einen Tipp geben: Kauft euch diverse, haltbare Sachen wie Müsliregel bereits in Deutschland, denn Grönland ist ein sehr sehr teures Land – vor allem bei Lebensmitteln. Um den kompletten Trek zu meistern, müsst ihr das ganze Essen mitschleppen und der Rucksack wird entsprechend schwer. Daher kann ich nur empfehlen, möglichst leichte Basis Ausrüstung zu nutzen, wie zB ein leichtes DCF Zelt. Dazu habe ich auch vor kurzem ein YouTube video von meinem Trekkertent Saor veröffentlicht. Handyempfang hat man relativ gut, aber nehmt auf jeden Fall auch einen Kompass und Papierkarte mit!

Tag 1: Sisimiut – Skilift Camp = 4 Stunden

Im tiefen Schnee ist man natürlich am besten mit Schneeschuhen unterwegs, mit etwas Willenskraft und körperlicher Fitness geht das Ganze aber auch ohne. Wir haben das hier einmal vorgemacht und ich kann euch nur sagen, dass es einer der härtesten Hikes meines Lebens war! Beim Einsinken in den Schnee muss danach wieder so viel Kraft aufgewandt werden, um wieder aus dem Schnee herauszukommen, dass man sich schon nach ein paar Stunden fragt, was man hier eigentlich macht.. auf den Bildern sieht man es ganz gut wie tief der Schnee war.

Zum Glück hatte ich Tim mit dabei und wir konnten uns abwechseln beim Vorablaufen. Hinter ihm in seinen Fußspuren zu laufen war um einiges angenehmer und wir haben uns dabei alle 5-10 Minuten abgewechselt. So sind unsere 3 Backup Tage alle am Anfang schon genutzt worden, obwohl wir ca. 15h jeden Tag durch den tiefen Schnee gewandert sind. Glücklicherweise hat man in Grönland zu dieser Zeit 24 Stunden lang Tageslicht!

(Übernachtet am Skilift Camp bei 66.9447, -53.4754 nach 6,3km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 2: Skilift Camp – Hügelcamp (7 Stunden)

Am Morgen des zweiten Tages ging es so weiter wie der erste aufgehört: Hüfthoher Schnee macht das Vorankommen extrem schwierig und sowohl Tim als auch ich werden an unsere physikalischen Grenzen gebracht. Das gute heute ist, dass wir mit dem Abendessen von letzter Nacht und dem Frühstück schon um einiges an Gewicht in unseren Rucksäcken verloren haben, und das konnte man auch direkt merken! Die Sonne ist heute nicht mehr von Wolken verdrängt und spendet sowohl Energie als auch Motivation. Wir wandern von einer schneefreien Fläche zur nächsten und kommen immer näher an die vor uns liegenden Berge heran.

Ganz normal auf dem Weg können wir dabei nicht laufen. Der ist sowieso tief vom Schnee begraben und erst gar nicht sichtbar. Wir müssen sogar oftmals Umwege nehmen, um möglichst weit von den verschneiten und zugefrorenen Seen zu bleiben. Sollten wir dort reinfallen mit unserem schweren Rucksack wäre das katastrophal. Auf dem nächsten Bild könnt ihr euch dabei ein schönes Beispiel anschauen von diesen tückischen See Hindernissen.

Der Schnee ist nun besonders tief und es geht nur langsam voran. Ich bin nach 7 Stunden wandern immer noch 5km von der ersten Hütte des ACT entfernt und kann mir dank zahlreicher Backup Tage noch ein weiteres Zwischencamp auf einem kleinem schneefreien Hügel erlauben. Nach solch kraftraubenden Tagen wirst du nun wenig Lust auf größere Koch Sessions haben und bist stattdessen heilfroh über die  Outdoor Fertig Nahrung in deinem Rucksack. Mit lediglich etwas kochendem Wasser kannst du dir in kurzer Zeit ein doch tatsächlich sehr gut schmeckendes Gericht im Zelt zubereiten und dann erschöpft schlafen gehen.

(Übernachtet am Hügelcamp bei 66.9711, -53.3568 nach 7,3km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 3: Hügelcamp – Kangerluarsuk Tulleq Hütte (3 Stunden)

Neben des Schnee hatten wir auch noch mit heftigen Wind zu kämpfen. Meine am Rucksack angebrachte Isomatte wurde anscheinend nicht fest genug von mir angebracht und ist im Winde verweht worden. Am 3ten Tag hatten wir teilweise nur 5 Meter Sichtweite und mussten den größten Teil des Tages im Zelt „ausharren“ bevor es endlich weiter gehen konnte.

Landschaftlich hat der folgende Abschnitt kurz vor der Kangerluarsuk Tulleq Hütte einiges zu bieten. Nachdem die Toiletten den höchsten Punkt des von dir durchwanderten Korridors darstellen, geht es von hier nun nur noch bergab. Vor dir erstreckt sich ein wunderschöner See, welcher zum Großteil noch von Eis bedeckt ist und während die Hänge um dich herum noch voller Schnee sind, kannst du auf den niedriger gelegenen Bergen in der Ferne bereits erheblich mehr braune Landschaft erblicken und freust dich schon auf einen hoffentlich leichteren Weg.

Nach ca. 2 Stunden erreichst du nun endlich die Kangerluarsuk Tulleq Hütte und nimmst die Einladung gerne an! Hier können ca. 4 Personen übernachten und es gibt einen separaten Bereich zum Kochen. Die kleine Hütte macht ansonsten einen außerordentlichen sauberen und standfesten Eindruck. Da der Wanderweg im Sommer sehr beliebt ist, musst du zu dieser Zeit unbedingt im Vorab deine Hütten reservieren. Ansonsten bleibt dir nichts anderes übrig, als nebenan dein Zelt aufzuschlagen. Du kannst dir dank des Platzes heute auch endlich einen längeren Koch Abend gönnen und wirst danach sicherlich keine Probleme mit dem Einschlafen haben.

(Übernachtet in der Kangerluarsuk Tulleq Hütte bei 66.9804, -53.2516 nach 5,1km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 4: Kangerluarsuk Tulleq Hütte – Nerumaq Hütte (4 Stunden)

Bei steigenden Temperaturen kann sich der Schnee um die Flüsse herum schnell in ein Matsch Fest verwandeln. Nach Verlassen der Hütte gilt es einen kleinen Bach zu überqueren und bereits nach dem ersten Schritt befinde ich mich bis zum Knöchel im eiskalten Wasser, da der weiche Schnee mein Gewicht nicht mehr halten konnte. Sicherlich nicht der beste Start an einen Morgen, aber nach ein paar kurzen Witzen vom Hintermann geht es dann auch direkt weiter. Heute stehen 16km bis zur Nerumaq Hütte auf dem Programm und es geht weiter abwärts Richtung See.

Dort angekommen befindet sich ein komplett mit Wasser vollgelaufenes Boot am Ufer, welches immerhin die Vorfreude auf den bevorstehenden Amitsorsuaq See aufkommen lässt. Dieser kann tatsächlich mit einem Kanu überquert werden! Der Weg verläuft von hier an nun direkt an einem Fluss entlang, welcher wunderschön in einem kleinem Tal gelegen ist. Zu beiden Seiten täumen sich kleine Berge auf und im Sommer kannst du hier gemütlich dem Fluss entlangschlendern. Im Winter oder Frühling musst du den Fluss hingegen wieder weiträumig umgehen. Mich hat der Umweg über die ca. 400m hohen Hügel jedoch zu einer super Aussicht geführt und erfreulicherweise lag hier ebenfalls kaum noch Schnee auf dem Boden! Nach einer weiteren halbe Stunde steht zum Abschluss noch eine Flussüberquerung mit Knie hohem Wasser auf dem Programm. Dank zahlreicher Steine und deiner Trekking Stöckte stellt diese jedoch kein Problem dar und du erreichst mit der Nerumaq Hütte den Endpunkt des eigentlich zweiten Tages.

(Übernachtet in der Nerumaq Hütte bei 67.0065, -52.9658 nach 16km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 5: Nerumaq Hütte – Innajuattoq Hütte (5 Stunden)

Auf der Etappe von der Nerumaq zur Innajuattoq Hütte geht es genau 17km wie an einer geraden Schnur gezogen Richtung Nord Osten. Landschaftlich sicherlich reizvoll mit zahlreichen Bergen in der Ferne und einem schönen See am Ende, war es für mich persönlich der erste Tag mit Sonnenschein. Erstmals kommen die Wanderschilder zum Vorschein und das Vorankommen ist so einfach! Ca. zur Mitte dieser Strecke solltest du auf jeden Fall auch ein Auge auf die Tierwelt haben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wirst du ein paar Rentier Gruppen oder sogar einen Schneehasen erspähen können.

Am Ende dieses Tages erreichst du mit der Innajuattoq Hütte die bisher größte des Trails. Sie ist optimal gelegen an einen wunderschönen See und hier könntest du sicherlich auch einen Extra Tag verbringen. Die Berge um dich herum laden zum Erkunden ein und ansonsten hat die Hütte neben einem Kamin auch reichlich Platz zu bieten. Nasse Kleidung kann hier super über dem Kamin zum Trocknen aufgehängt werden und die große Küche ermöglich es dir, schon einmal etwas Pasta für die nächsten Tage vorzukochen.

(Übernachtet in der Innajuattoq Hütte bei 67.0566, -52.6282 nach 17km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 6: Innajuattoq Hütte – Ikkattooq Hütte (7 Stunden)

Nachdem der letzte Tag relativ eintönig war was die Streckenführung angeht, haben wir es heute mit jeder Menge Twists & Turns zu tun. Da die Strecke zwischen der nächsten Eqalugaarniarfik und der darauffolgenden  Ikkattooq Hütte sehr kurz ist, bietet es sich hier an die erstere zu überspringen und direkt zur Ikkattooq zu wandern. Du wirst in diesem Falle einen langen Tag mit 30km vor dir haben, kannst dafür aber entweder länger in der wirklich schöneren Innajuattoq Hütte verbringen oder wie in meinem Fall etwas Zeit einholen. Ich hatte jedoch leider wohl durch zu viel Sonnenenergie und positiver Energien versucht, eine Abkürzung über die Berge auf halber Strecke nach ca. 15km zu machen und mich dabei so verlaufen, dass ich letztendlich oben mein Zelt aufbauen musste. Die Sicht war jedoch super und wenn du etwas Zeit hast, kann ich diesen kleinen Abstecher nur empfehlen. Du wirst neben super Panoramas auch zum ersten Mal die gigantische Eisschicht am Horizont sehen können, welche komplette Berge unter sich begräbt!

Während des zweiten Abschnittes dieser Etappe wirst du durch eine kleine Sumpflandschaft wandern. Normalerweise ist dieser Part sicherlich schön nach einem Abstecher am Ufer eines Sees, bei einer Wanderung Anfang Juni werden die täglich steigenden Temperaturen jedoch eine neue Herausforderung für dich bereit haben: Moskitos! Zu Hunderten schwirrten sie um mich herum auf dem sumpfigen 11km Abschnitt und haben mich dazu verleitet, dieses Stück in Rekordzeit zu überwinden. Am Ende der Strecke geht es wieder bergauf und sobald ich etwas Ruhe hatte, konnte ich die super Aussicht von hier endlich genießen! Im Sommer ist ein am Hut angebrachtes Moskitonetz ein absolutes Muss, so früh im Jahr kamen sie dann aber doch etwas überraschend für mich nach dem kalten Start.

Für die restlichen 4km findest du dich auf riesigen Steinhügeln wieder, welche oft eine grandiose Aussicht bieten. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, den ein oder anderen großen Stein hochzuklettern! Zwischendurch gibt es eine Menge kleiner Seen und die berühmten Steinmännchen werden dir den teilweise etwas schwer zu erkennenden Weg zeigen. Nach diesem langen Tag kannst du es dann auch kaum abwarten, endlich bei der Ikkattooq Hütte anzukommen. Oft muss jedoch immer noch einmal um eine Ecke herum gewandert werden, bis sie dann endlich nach einem kleinen Tal in Sichtweite rückt! Erschöpft kannst du nun dein Abendessen genießen und den Rest des Tages entspannen.

(Übernachtet in der Ikkattooq Hütte um 66.9720, -52.1701 nach 30km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 7: Ikkattooq Hütte – Kanucenter Hütte (5 Stunden)

Heute ist es endlich soweit! Nach einer langen Mittagspause an einem ruhigen See, in dem sich umliegenden Berge wunderschön spiegeln und man wie Jesus über das Wasser laufen kann, erreichst du endlich das Ufer des Amitsorsuaq See. Hier gibt es insgesamt 6 Kanus, welche von Wanderern benutzt werden können. Ich selbst hatte nur eines vorgefunden und das lag wohl auch daran, dass 90% des Sees komplett mit Eis bedeckt war. Nur am Ufer gab es gerade genug Platz für das neue Fortbewegungsmittel. Bei einer Wanderung im Sommer musst du hier dagegen schon sehr glücklich sein, um überhaupt eines der begehrten Fortbewegungsmittel zu bekommen!

Bevor du dich ins Wasser begibst, solltest du auf jeden Fall das Kanu gründlich testen. Bei mir hatte das gute Stück leider ein Loch und zum Glück waren wir zu zweit, so dass Tim das Wasser ständig mit seiner Kaffee Tasse herausschippen konnte, während Ich uns mit genügend Abstand zur Eisdecke manövriert habe. Es ist ein unglaublich tolles Gefühl bei bestem Wetter und oben ohne auf dem vereisten See zu paddeln! Deine Beine und Füße sind auch sehr dankbar für eine kleine Pause und der Trip im Kanu wird zu einer sehr entspannten Angelegenheit und ist eine super Abwechslung.

Nachdem die eisfreie Fläche am Rande des Sees immer kleiner und kleiner wurde, mussten wir dann doch das Kanu für ca. 5 Minuten tragen. Das Teil war ganz schön schwer und man kann sich an den scharfen Metallkanten  auch leicht ein Loch in die Softshell Jacke bohren. Nach einer knappen Stunde wirst du auch schon die relativ nahe gelegene Kanuhütte erreichen. Sie ist die größte aller Hütten auf dem ACT und selbst hier bist du im Juni noch komplett allein und kannst die Ruhe und Sonne genießen.

(Übernachtet in der Kanucenter Hütte bei 66.9216, -51.7484 nach 22km)

Tag 8: Kanucenter Hütte – Katiffik Hütte (4 Stunden)

Von der Kanuhütte bietet es sich bei einem eisfreiem  See an, direkt bis zur nächsten Katiffik  Hütte zu paddeln. Ansonsten steht dir eine 21km lange Wanderung entlang des bevor. Du wirst hier kaum Höhenmeter zurücklegen und kannst dir morgens etwas Zeit lassen. Ich selbst hatte das immer wärmer werdende Wetter für eine spontane Badetour im ca. 1°C kaltem Wasser genutzt. Aus irgendeinem Grund hatte ich es versucht, mich auf die dünne Eisdecke zu hieven – natürlich ohne Erfolg. Erfrischt ging es dann weiter im Kanu, doch nach einer halben Stunde drehte plötzlich der Wind und die gesamte Eisschicht drückte sich in unsere Richtung!

Das Ganze passierte dabei mit einer solch imposanten Geräuschkulisse, dass wir erst einmal komplett baff waren und gar nicht reagiert haben. Tim hat mich dann glücklicherweise schnell aus dem Staunen herausgebracht und dafür gesorgt, dass wir mit unserem Kanu aus dem See herausgekommen sind. Fassungslos schauten wir dem Eis dabei zu, wie es sich langsam zum Ufer schiebt und dabei die Steine in kleine Hügel auftürmt! Unser Kanuausflug war damit beenden und wir mussten den Rest weiter wandern, dieses imposante Naturerlebnis war es aber auf jeden Fall wert. Bei guten Wetterbedingungen wirst du hier wohl weiter auf den Kanu setzen können und einen relativ einfachen Tag vor dir haben – sofern du denn eines der wenigen Kanus ergattern kannst!

(Übernachtet in der Katiffik Hütte bei 66.9199, -51.3587 nach 21km)

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Tag 9: Katiffik Hütte – Hundeso Berg Camp (4 Stunden)

Auf dem letzten Abschnitt von der Katiffik Hütte kannst du dich auf die bisher besten Landschaften gefasst machen! Kleine Seen sind überall zwischen ebenso kleinen Hügeln verborgen und bieten wunderbare Aussichten. Beim Ablaufen des ACT in anderer Richtung wirst du also diese Landschaften zuerst zu sehen bekommen. Nach mittlerweile 9 Tagen ist dein Körper auch schon komplett an die Strapazen gewöhnt und dein Rucksack wird sicherlich nun weniger als die Hälfte wiegen, nachdem du nun fast das ganze Essen aufgebraucht hast.

Die letzte inoffizielle Hütte „Hundeso“ ist diesmal ein alter Wohnwagen, welcher schön dekoriert wurde und voller Kleinkrams ist. 4 Leute können hier schlafen, jedoch hatten Tim und ich für letzte Nacht das Bedürfnis, noch einmal im Zelt zu übernachten; immerhin schleppten wir es die ganze Zeit mit uns herum! Ein kleiner Berg nur kurz nach dem Wohnwagen bietet dabei eine wunderschöne Panorama Sicht und hätte nicht besser sein können für ein letztes Camp! Es ist mittlerweile 11 Uhr Abends und die Sonne steht immer noch über dem Horizont. In den nächsten 2 Stunden wird sie noch etwas sinken bevor sie dann wieder langsam aufsteigt. Super für lange Wanderungen und vor allem für gute Bilder!

 (Übernachtet in der Hundeso Berg Camp bei 66.9957, -51.0109 nach 19km)

Tag 10: Hundeso  Berg Camp – Kangerlussuaq (5 Stunden)

Vom Wohnwagen bis zurück nach Kangerlussuaq sind es am letzten Tag nur noch 20km auf einfachem Terrain. Das letzte Stück musst du leider entlang einer Straße laufen und wenn du Glück hast und den morgendlichen Tanklastwagen in der Ferne kommen siehst, kannst du hier noch etwas per Anhalter abkürzen. Die kleinen Flughafen Stadt hat nicht viel zu bieten und ist sehr teuer, dennoch gönnst du dir hier eventuell doch das teure WiFi während du auf deinen Flieger Richtung Heimat wartest. Was ein Abenteuer! 

(Übernachtet in Kangerlussuaq bei 67.0108, -50.6961 nach 20km)

Schlusswort

Hoffentlich konnte ich euch mit diesem Reisebericht etwas Fernweh geben in Zeiten, die uns leider kein Reisen in ferne Kontinente ermöglichen. Bis es wieder soweit ist und wir wieder reisen können, werde ich euch jeden Montag um 20 Uhr in meiner interaktiven Reiseshow die Highlights meiner bisherigen 106 Länder zeigen und auch zwei neue Videos pro Woche in meinem YouTube Kanal hochladen – schaut doch gern mal rein und abonniert wenn es euch gefällt J

Christopher Heil

Christopher Heil

Chris on Tour

Einer meiner größten Leidenschaften ist das Reisen und ich habe einen großen Teil meines Lebens damit verbracht. Berglandschaften rauben mir dabei immer wieder den Atem und ich fühle mich generell in der Natur am wohlsten. Städte Trips hingegen versuche ich immer auf ein Minimum zu beschränken. In meinem Reiseblog www.chrisontour84.de teile ich meine schönsten Bilder, Videos und Trip Reports. Ab und zu findet ihr bei mir auch spezielle Themen wie Reisekosten, Ausrüstungstests und eine Vorschau auf neue Trips.

Fernblicktour Lautertal

Fernblicktour Lautertal

Der Winter hat noch einmal mit lang ersehnter Kraft zugeschlagen und den Vogelsberg erneut in eine ordentliche Schicht Eis und Puderschnee gehüllt. Zeit also, um die ausgeschriebenen Wanderrouten mal im Winter zu testen.

Gemeinde mit Fernblick

Im oberen Vogelsberg, zwischen Lauterbach und Ulrichstein, liegt die kleine Gemeinde Lautertal. Als Wanderparadies weitgehend unbekannt entziehen sich die sieben angehörigen Dörfer den Besucherströmen.
Doch die Gemeinde hat neue Wanderrouten ausgeschrieben und eingerichtet, die sich zeigen lassen können, unter anderem die Fernblick Tour, die durch fünf Dörfer und über aussichtsreiche Höhenwege führt.

Parken und starten

Ausgangspunkt ist das Dorfgemeinschaftshaus in Hopfmannsfeld, hier können wir das Auto kostenfrei stehen lassen und uns für die 16 km lange Tour ausrüsten. Die Route führt fast ausschließlich über Feldwege und hat nur wenige steilere An- und Abstiege. Die erste Etappe führt bei schönstem Sonnenschein von Hopfmannsfeld nach Hörgenau. Wir gehen im Dorf Bergab, überqueren an der Hauptstraße die Lauter und biegen dann links in einen Teerweg ein, über den wir geradlinig, an einer meist besetzten Storchenplattform vorbeikommend, nach Hörgenau gelangen.

Der erste Fernblick

In Hörgenau können wir das historische Rathaus begutachten und machen uns anschließend an die erste Steigung, die aber schnell überwunden ist und auf 500 Metern Höhe mit einem ersten Fernblick, der bis in die Schlitzer Gemarkung reicht, belohnt wird. Unter uns liegt jetzt das Lautertaler Dorf Eichenrod, welches wir in der Schlussetappe noch näher kennenlernen werden. Weiter geht es auf Feldwegen, an zwei kleinen Wäldchen vorbei auf eine Anhöhe zwischen Engelrod, dem größten Dorf der Gemeinde und Eichelhain. Hier können wir Fernblick Nummer zwei abhaken und uns abwärts in den Engelröder Ortskern treiben lassen, wo wir schließlich erneut auf die Lauter treffen, allerdings zum letzten Mal auf dieser Tour.

Wegemarkierung auf der Fernblicktour
perfekter Fernblick bei traumhaften Winterwetter
tiefe Spuren im Schnee

Bergmähwiesen

Wer bergab geht, muss natürlich irgendwann auch wieder bergaufgehen, klar, und das machen wir, indem wir Engelrod diagonal durchqueren, wobei wir am alten Backhaus, heute Jugendtreffpunkt, vorbeikommen und lassen den Ort schließlich hinter uns, um uns auf dem Bergrücken nach Eichelhain den dritten Fernblick abzuholen. Hier können wir auf einige Lautertaler Dörfer und an guten Tagen bis zur Wasserkuppe und in den Knüll schauen. Bisher waren die meisten Wege vom Schnee befreit, was sich jetzt aber erstmal ändern wird. In 30 cm tiefem, in der Sonne bunt glitzerndem Pulverschnee wandern wir über die Bergmähwiesen bei Eichehlhain. Eine der traditionellen Wiesenflächen, auf denen heute noch seltene Schmetterlings- und Vogelarten zu finden sind. Die haben sich heute, einem Tag mit -18 Grad Lufttemperatur, allerdings irgendwo versteckt, wo ihnen die Kälte nicht das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Vieregge

Wem auf dem zurückliegenden Bergrücken die Augenlieder nicht zusammengefroren sind, der kann sich jetzt das dritte Dorf, Eichelhain, näher anschauen. Hier treffen wir auf einen neuen flüchtigen Begleiter, den sagenumwobenen Eisenbach, an dessen Ufer die historische Rickenmühle steht.

Der steilste Aufstieg ist noch hinter uns zu bringen und dann stehen wir an Fernblickpunkt Nummer Vier, diesmal wieder mit Ausblick nach Herbstein und dahinter die Hochröhn. An guten Tagen und wenn nicht gerade das auf dem Schnee reflektierte Sonnenlicht gleißend in die Augen sticht, kann man sogar das Radom auf der Wasserkuppe erkennen. Wir überqueren eine Straße und machen eine ausgiebige Rast am Vieregge-Platz.

ein weiterer Fernblick
Am Galgen
Die alte Schule

Höhenweg und alte Schule

Vom Schneestapfen erholt wandern wir kurz durch ein schönes Waldstück, mit zauberhaften kleinen Wiesen, auf die die Sonne fällt und nehmen dann nochmal kurz Platz, am schönsten Aussichtspunkt der Tour. Rechts des Weges steht eine kleine Holzbank am Waldrand, zu deren Füßen sich ein verträumtes und verschneites Tal mit Obstbäumen bis zum Schalksbachteich zieht, dahinter sehen wir Ausläufer von Herbstein und Rixfeld und dahinter wieder die Rhön in voller Pracht.

Über einen Höhenweg wandern wir nun zwischen Eichenrod, in das wir gleich hinabsteigen werden und dem verträumten Tal, in dem sich übrigens auch ein zwei Kilometer langer, sehr informativer Naturlehrpfad befindet, der einen Abstecher wert ist. Unten in Eichenrod stehen wir nun vor der alten Dorfschule, in der mal der berühmte Zeichner F.K. Wächter gewohnt hat und starten die Schlussetappe.

Der Galgen

Auf der letzten Etappe verlassen wir Eichenrod Richtung Hopfmannsfeld und gelangen über schmale Wiesenpfade zum letzten und schaurigsten Highlight der Fernblicktour, dem Galgen. Hier haben wohl schon einige Übeltäter das Ende ihres Treibens gefunden und eine kleine Informationstafel, erzählt auch von den Hintergründen dieser mittelalterlichen Einrichtung. Die letzten Meter folgen wir dem Radweg und stehen schließlich wieder am Ausgangspunkt.

Fazit

Eine schöne kleine Tour für alle, die dem Trubel an Hoherodskopf, Wasserkuppe und Co mal entgehen wollen. Neben den sagenhaften Ausblicken entdeckt man auch die Historie der Gemeinde und ein Stück Geschichte des Vogelsberges Stück für Stück, indem man all die alten Gebäude und andere Sehenswürdigkeiten mit den dazugehörigen Infotafeln näher betrachtet. Zu jeder Jahreszeit eine lohnenswerte Tour, wobei gerade der Winter die ganz besonderen Seiten dieser Tour hervorbringt.

Tim Wiegel

Tim Wiegel

Freelancer bei Doorout.com

Von Kleinauf draußen unterwegs, hat es ihn immer wieder in die verschiedensten Facetten des Outdoor-Sports getrieben. Neben dem Wandern und Bergsteigen ist er dann vor allem bei der Höhlenforschung hängengeblieben. Auf der Suche nach den letzten echten Abenteuern zieht es ihn immer wieder in die verborgene Unterwelt.

Sicherheit am Berg – Teil 1.

Sicherheit am Berg – Teil 1.

Jedes Jahr zieht es Millionen Menschen in die Alpen, sind sie doch der europäische Sehnsuchtsort schlechthin, mit Gipfelglück und unendlich weiten Horizonten, Alpenglühen und natürlich der körperlichen Aktivität. Doch ungefährlich ist es dort nicht, die Gefahren sind stets vorhanden und werden auch durch die immer größer werdende Zugänglichkeit für Menschen jeden Erfahrungsgrades nicht weniger, im Gegenteil. Wer sicher unterwegs sein will, der sollte sich informieren, sollte trainieren, Erfahrungen sammeln und vor allem langsam und Schritt für Schritt vorgehen.
Klettersteigset am Drahtseil
Bandschlingen & Karabiner
Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel

Alpine Gefahren

Um Sicherheit gewehrleisten zu können, muss man die möglichen Gefahren kennen. Um diese richtig analysieren und sich dementsprechend auf die Risiken einer Tour vorbereiten zu können, werden wir uns mal die grundsätzlichen Gefahren anschauen und näher bestimmen. Allgemein unterscheidet man die sogenannten Alpinen Gefahren in objektive und subjektive Gefahren:

Objektive Gefahren

Als objektive Gefahren werden Naturereignisse bezeichnet, also Vorgänge, die der Mensch nicht aktiv beeinflussen kann. Steinschlag: Tauwetter, Regen, Hitze, Kälte und Sturm können das Gefüge in Felswänden und Steilhängen durcheinanderbringen und Steine lösen, die zu tödlichen Projektilen werden. Auch andere Bergsteiger/Kletterer/Wanderer und Gämse können durch ihre Bewegungen Steinschlag auslösen. Wie steinschlaggefährdet ein Berg ist entscheidet vor allem die Felsqualität. Kalk, Gneis, Granit und Dolomit haben unterschiedliche Festigkeits- beziehungsweise Dichtheitsgrade und sind dementsprechend stark oder schwach löslich und witterungsanfällig. Wetter: Hitze und Sonneneinstrahlung, Kälte und Nässe setzten dem Menschen zu, Gewitter und aufziehende Nebel werden schnell lebensbedrohlich. Nicht immer lassen sich Gewitter voraussehen, denn das Wetter in hohen Lagen kann plötzlich umschlagen. Wenn der Himmel sich verschleiert oder sich Quellwolken bilden, sind das klare Anzeichen für ein Gewitter und es sollte umgehend abgestiegen oder Schutz gesucht werden. Eis und Schnee: Wer sich auf Hochtour in vergletschertes oder verschneites Gelände begibt hat es mit einem ganz speziellen Gefahrenpotential zu tun. Im Frühjahr wird es wärmer – Schnee und Eis tauen, Lawinen Lösen sich und Eis verliert an Festigkeit und poltert vereiste Wände herunter. Durch die ständige Abwärtsbewegung der Gletscher, reißt die Eis- und Firnmasse auf und Gletscherspalten entstehen, die man gerade im Winter oft nicht erkennen kann. In Gletscherbrüchen können Seracs umstürzen.

Subjektive Gefahren

Als subjektive Gefahren bezeichnet man die Risiken, die durch Menschliches Handeln ausgelöst werden. Gesundheit: Die eigene Gesundheit ist ein ausschlaggebender Faktor beim Bergsteigen und Klettern. Witterungsverhältnisse und mangelnder Sauerstoff in großer Höhe können dem Körper schwer zusetzen. Touren werden oft nicht an die eigene Fitness und Kondition angepasst. Erfahrung und Einschätzungsvermögen: Bergsteiger und Kletterer verfügen oft nicht über die nötige Erfahrung in alpinem Gelände. Gefahrensituationen können so nicht richtig beurteilt und entschärft werden. Das alpine Gelände fordert ein Höchstmaß an Verantwortung und Konzentration, ein kleiner Fehler kann hier tödlich sein, je mehr man trainiert und übt desto erfahrener und selbstsicherer wird man. Psyche: Die Bergwelt bringt uns schnell an psychische Grenzen. Extreme Exposition, ständige Konzentration und plötzlich auftretende Gefahren zehren an den Nerven. Schnell überkommt Angst oder gar Panik den Bergsteiger und man fühlt sich der Situation nicht mehr gewachsen, jetzt wird es gefährlich. Angst ist zwar unserer wichtigster Schutzfaktor, muss aber in Extremsituation kontrolliert werden können, auch hier hilft Erfahrung und Training. Ausrüstung: Wer seine Ausrüstung falsch zusammenstellt, sie nicht richtig wartet, Verschleißteile nicht austauscht und Mängel übersieht, beziehungsweise nicht sorgfältig kontrolliert, kommt am Berg schnell in die Bredouille. Bandschlingen dürfen nicht eingerissen sein, Karabiner müssen korrekt schließen und Seilklemmen müssen klemmen. Jede Tour bedarf anderer Ausrüstung.
Bergsteiger im Höllental Klettersteig
Auf und Ab im Klettersteig
Kletterhelm nach Sturz am Watzmann

Objektiv oder subjektiv?

Eine objektive Gefahr wird automatisch zur subjektiven Gefahr, wenn ein Bergsteiger offensichtliche objektive Gefahren nicht richtig erkennt oder einschätzt und trotzdem in die Tour einsteigt, etwa aus mangelnder Erfahrung oder mangelndem Kenntnisstand (subjektive Gefahr). Die objektive Gefahr ist also immer an die subjektive Beurteilung gekoppelt.

Sicherheit Schritt für Schritt

Um auf die Traumtour perfekt vorbereit zu sein, sollte man Schritt für Schritt vorgehen:

1. Persönlicher Ist-Zustand:

Also wie fit bin ich aktuell körperlich und geistig? Wieviel Erfahrung, welches Knowhow, welche Ausrüstung habe ich? Wieviel Wasser und Nahrung brauche ich unter großer Anstrengung?

2. Örtliche Begebenheiten:

Wie sind die aktuellen Verhältnisse? Wie lange sind die Zu- und Abstiege? Welche Schwierigkeitsgrade erwarten mich genau? Wo gibt es Quellen? Ein genauer Tourenplan sollte vorhanden und einstudiert sein, außerdem sollte man einen Plan B parat haben, also Notabstiege, Notunterkünfte, Ausweichrouten, etc..

3. Training:

Das Fitnesslevel sollte angepasst, fehlendes Knowhow erworben und Techniken trainiert werden.

4. Direkte Vorbereitung:

Die Ausrüstung muss zusammengestellt, gewartet und kontrolliert werden. Der Wetterbericht sollte langfristig regelmäßig kontrolliert werden. Erste-Hilfe-Set und nötige Medikamente müssen sorgfältig überprüft und zusammengestellt werden. Das Gewicht sollte angemessen sein, alles Unnötige aus dem Gepäck entfernt werden. Strecken sollten in Etappen aufgeteilt, mögliche Unterkünfte gebucht werden. Verpflegung sollte ausreichend, mit einem Notfallpuffer eingepackt werden. Jetzt kann es eigentlich losgehen. Ich kann jedoch jedem nur nahelegen, sich einen vertrauenswürdigen Tourenpartner zu suchen, denn im Notfall kann dieser Hilfe holen und einem bei Entscheidungen und Gefahrensituationen helfen. Wer sich unsicher ist, hat immer die Möglichkeit, auf einen der vielen gut ausgebildeten Bergführer zurückzugreifen, der Wissen und Techniken vermitteln und seine Gäste sicher auf den Gipfel und wieder runterbringen kann.
Tim Wiegel

Tim Wiegel

Freelancer bei Doorout.com

Von Kleinauf draußen unterwegs, hat es ihn immer wieder in die verschiedensten Facetten des Outdoor-Sports getrieben. Neben dem Wandern und Bergsteigen ist er dann vor allem bei der Höhlenforschung hängengeblieben. Auf der Suche nach den letzten echten Abenteuern zieht es ihn immer wieder in die verborgene Unterwelt.