Der Winter hat noch einmal mit lang ersehnter Kraft zugeschlagen und den Vogelsberg erneut in eine ordentliche Schicht Eis und Puderschnee gehüllt. Zeit also, um die ausgeschriebenen Wanderrouten mal im Winter zu testen.

Gemeinde mit Fernblick

Im oberen Vogelsberg, zwischen Lauterbach und Ulrichstein, liegt die kleine Gemeinde Lautertal. Als Wanderparadies weitgehend unbekannt entziehen sich die sieben angehörigen Dörfer den Besucherströmen.
Doch die Gemeinde hat neue Wanderrouten ausgeschrieben und eingerichtet, die sich zeigen lassen können, unter anderem die Fernblick Tour, die durch fünf Dörfer und über aussichtsreiche Höhenwege führt.

Parken und starten

Ausgangspunkt ist das Dorfgemeinschaftshaus in Hopfmannsfeld, hier können wir das Auto kostenfrei stehen lassen und uns für die 16 km lange Tour ausrüsten. Die Route führt fast ausschließlich über Feldwege und hat nur wenige steilere An- und Abstiege. Die erste Etappe führt bei schönstem Sonnenschein von Hopfmannsfeld nach Hörgenau. Wir gehen im Dorf Bergab, überqueren an der Hauptstraße die Lauter und biegen dann links in einen Teerweg ein, über den wir geradlinig, an einer meist besetzten Storchenplattform vorbeikommend, nach Hörgenau gelangen.

Der erste Fernblick

In Hörgenau können wir das historische Rathaus begutachten und machen uns anschließend an die erste Steigung, die aber schnell überwunden ist und auf 500 Metern Höhe mit einem ersten Fernblick, der bis in die Schlitzer Gemarkung reicht, belohnt wird. Unter uns liegt jetzt das Lautertaler Dorf Eichenrod, welches wir in der Schlussetappe noch näher kennenlernen werden. Weiter geht es auf Feldwegen, an zwei kleinen Wäldchen vorbei auf eine Anhöhe zwischen Engelrod, dem größten Dorf der Gemeinde und Eichelhain. Hier können wir Fernblick Nummer zwei abhaken und uns abwärts in den Engelröder Ortskern treiben lassen, wo wir schließlich erneut auf die Lauter treffen, allerdings zum letzten Mal auf dieser Tour.

Wegemarkierung auf der Fernblicktour
perfekter Fernblick bei traumhaften Winterwetter
tiefe Spuren im Schnee

Bergmähwiesen

Wer bergab geht, muss natürlich irgendwann auch wieder bergaufgehen, klar, und das machen wir, indem wir Engelrod diagonal durchqueren, wobei wir am alten Backhaus, heute Jugendtreffpunkt, vorbeikommen und lassen den Ort schließlich hinter uns, um uns auf dem Bergrücken nach Eichelhain den dritten Fernblick abzuholen. Hier können wir auf einige Lautertaler Dörfer und an guten Tagen bis zur Wasserkuppe und in den Knüll schauen. Bisher waren die meisten Wege vom Schnee befreit, was sich jetzt aber erstmal ändern wird. In 30 cm tiefem, in der Sonne bunt glitzerndem Pulverschnee wandern wir über die Bergmähwiesen bei Eichehlhain. Eine der traditionellen Wiesenflächen, auf denen heute noch seltene Schmetterlings- und Vogelarten zu finden sind. Die haben sich heute, einem Tag mit -18 Grad Lufttemperatur, allerdings irgendwo versteckt, wo ihnen die Kälte nicht das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Vieregge

Wem auf dem zurückliegenden Bergrücken die Augenlieder nicht zusammengefroren sind, der kann sich jetzt das dritte Dorf, Eichelhain, näher anschauen. Hier treffen wir auf einen neuen flüchtigen Begleiter, den sagenumwobenen Eisenbach, an dessen Ufer die historische Rickenmühle steht.

Der steilste Aufstieg ist noch hinter uns zu bringen und dann stehen wir an Fernblickpunkt Nummer Vier, diesmal wieder mit Ausblick nach Herbstein und dahinter die Hochröhn. An guten Tagen und wenn nicht gerade das auf dem Schnee reflektierte Sonnenlicht gleißend in die Augen sticht, kann man sogar das Radom auf der Wasserkuppe erkennen. Wir überqueren eine Straße und machen eine ausgiebige Rast am Vieregge-Platz.

ein weiterer Fernblick
Am Galgen
Die alte Schule

Höhenweg und alte Schule

Vom Schneestapfen erholt wandern wir kurz durch ein schönes Waldstück, mit zauberhaften kleinen Wiesen, auf die die Sonne fällt und nehmen dann nochmal kurz Platz, am schönsten Aussichtspunkt der Tour. Rechts des Weges steht eine kleine Holzbank am Waldrand, zu deren Füßen sich ein verträumtes und verschneites Tal mit Obstbäumen bis zum Schalksbachteich zieht, dahinter sehen wir Ausläufer von Herbstein und Rixfeld und dahinter wieder die Rhön in voller Pracht.

Über einen Höhenweg wandern wir nun zwischen Eichenrod, in das wir gleich hinabsteigen werden und dem verträumten Tal, in dem sich übrigens auch ein zwei Kilometer langer, sehr informativer Naturlehrpfad befindet, der einen Abstecher wert ist. Unten in Eichenrod stehen wir nun vor der alten Dorfschule, in der mal der berühmte Zeichner F.K. Wächter gewohnt hat und starten die Schlussetappe.

Der Galgen

Auf der letzten Etappe verlassen wir Eichenrod Richtung Hopfmannsfeld und gelangen über schmale Wiesenpfade zum letzten und schaurigsten Highlight der Fernblicktour, dem Galgen. Hier haben wohl schon einige Übeltäter das Ende ihres Treibens gefunden und eine kleine Informationstafel, erzählt auch von den Hintergründen dieser mittelalterlichen Einrichtung. Die letzten Meter folgen wir dem Radweg und stehen schließlich wieder am Ausgangspunkt.

Fazit

Eine schöne kleine Tour für alle, die dem Trubel an Hoherodskopf, Wasserkuppe und Co mal entgehen wollen. Neben den sagenhaften Ausblicken entdeckt man auch die Historie der Gemeinde und ein Stück Geschichte des Vogelsberges Stück für Stück, indem man all die alten Gebäude und andere Sehenswürdigkeiten mit den dazugehörigen Infotafeln näher betrachtet. Zu jeder Jahreszeit eine lohnenswerte Tour, wobei gerade der Winter die ganz besonderen Seiten dieser Tour hervorbringt.

Tim Wiegel

Tim Wiegel

Freelancer bei Doorout.com

Von Kleinauf draußen unterwegs, hat es ihn immer wieder in die verschiedensten Facetten des Outdoor-Sports getrieben. Neben dem Wandern und Bergsteigen ist er dann vor allem bei der Höhlenforschung hängengeblieben. Auf der Suche nach den letzten echten Abenteuern zieht es ihn immer wieder in die verborgene Unterwelt.

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