Jeder kennt sicher die Redewendung: wie man sich bettet, so liegt man! Dies kann sinngemäß auf die Unterlage, auf die man sich zum Schlafen legt, bezogen werden. Allerdings geht es, wie der Titel des Beitrags schon verrät, nicht um eine bestimmte Unterlage. Viel mehr geht es um das persönliche „Abenteuer“ in einer Hängematte zu nächtigen.

In zahlreichen Dokumentationen oder Abenteuer-Filmen habe ich schon häufiger beobachtet, dass viele Menschen in Hängematten schlafen. Hängematten haben Ihren Ursprung in Lateinamerika und wurden früher auch auf Segelschiffen als Schlafgelegenheit eingesetzt. Auf Haiti wurden von den Ureinwohnern Schlafnetze genutzt, so genannte Hamáka, was sich in der englischen Bezeichnung Hammock widerspiegelt.

Für mich stellte sich dabei immer die Frage, ob man nach einer Nacht in der Hängematte am nächsten Morgen nicht mit Rückenschmerzen aufwacht. Aber es kann ja eigentlich gar nicht so schlimm sein, wenn so viele Menschen auf der Welt darin schlafen. Und soviel sei schon mal vorweg verraten: ich war sehr positiv überrascht!

Das aufgespannte Tarp für das Nachtlager
Das Lagerfeuer brennt
Aufgespanntes Tarb und die Hängematte

Unterschiedliche Hängematten

Auf dem Markt gibt es unzählige Hängematten-Varianten von allen möglichen Herstellern. Dabei kommen auch unterschiedliche Materialien und Konstruktionen zum Einsatz. Für den „Outdoor“ Einsatz eigenen sich sicher die Reisehängematten am besten, da diese in der Regel leicht sind und auf ein kleines Packmaß kommen.

Hier aber ein kurzer Überblick über die unterschiedlichen Hängemattentypen:

  • Reisehängematten – bestehen normalerweise aus einem robusten und leichten Material wie Nylon. Dadurch sind diese Hängematten sehr leicht und lassen sich, meist in einem eingenähten Packsack, sehr klein verstauen. Die Liegefläche reicht dabei ideal für eine Person und trägt im Schnitt eine Last bis 150 kg. 
  • XL Outdoor Hängematten – hier kommt häufig Falschirmseide zum Einsatz. Dadurch sind diese Matten extrem strapazierfähig und lassen sich bis zu 200 kg belasten. Die Liegefläche ist hier deutlich größer und man kann in solch einer Matte auch zu zweit liegen. 
  • Baumwollhängematten – Diese Tuch- oder Stoffhängematten bestehen, wie der Name schon verrät aus Baumwolle. Dadurch bieten diese Hängematten einen sehr angenehmen Liegekomfort. Allerdings sind diese Matten deutlich schwerer, können aber auch bis zu 200 kg belastet werden. 
  • Netzhängematten – Diese Art der Hängematten haben, laut Wikipedia, ihren Ursprung in Mexico. Die Netz-Liegefläche wird aus Baumwolle oder mittlerweile auch Synthetik-Stoffen hergestellt. 
  • Stabhängematten – bei diesen Hängematten werden am Kopf- und Fußende Querstäbe ( in der Regel aus Holz ) eingearbeitet. Dadurch wird die Liegefläche im Vergleich zu den herkömmlichen Hängematten offen gehalten. Dieser Typus ist eher was für Haus und Garten und durch das sperrige Packmaß eher ungeeignet für längere Touren. 

Richtige Vorbereitung

Für mich viel die Wahl der Hängematte auf eine Reisehängematte wie die Travel Hammock von Exped. Das „Übungsgelände“ für eine Nacht unter freiem Himmel und „rumhängen“ zwischen zwei Bäumen war ein privates Waldstück eines Freundes.

Nach dem also die Hängematte und das Gelände startklar waren, ging es noch an ein paar Vorbereitungen für die Nacht wie z.B. ein Lagerfeuer, da der Wetterbericht Temperaturen im unteren einstelligen Bereich vorhergesagt hat.

Jedoch reichen eine Hängematte und ein geeignetes Gelände für das bevorstehende Abenteuer alleine nicht aus. Im Vorfeld stellten sich noch Fragen zur Befestigung, zur Isolation, zum Regenschutz und zur Wahl des richtigen Schlafsacks sowie zu einem Plan B, sollte die Nacht doch zu „unbequem“ werden.

Aber dazu gleich mehr…

Exped Travel Hammock

Therm-A-Rest Z-Lite Isomatte in der Hängematte
Schlafsack in Hängematte - die Nacht kann kommen
ein wärmendes und beruhigendes Lagerfeuer

Fixierung und Baumschutz

Viele Hersteller bietet Hängematten im Set mit einer passenden Aufhängung an. Optional kann man solche Kits aber auch separat dazu kaufen. Da ich selber viel am Klettern bin, kam bei mir schnell der Gedanke auf, diverse Bandschlingen und Karabiner zum Aufhängen zu nutzen. 

Natürlich reicht das alleine auch nicht aus, den ohne Bäume funktioniert es nicht! Also müssen zwei geeignete Bäume her, die auch noch im idealen Abstand zueinander stehen. 4 bis 5 Meter sind perfekt, je nachdem wie gespannt ich meine Hängematte aufhängen mag. 

Und da wir die Natur lieben und schützen, liegt uns natürlich etwas daran, die Baumstämme vor einem Einschneiden durch Bandschlingen oder Seile zu schützen. Wer die Ausrüstung nicht ganz so weit tragen muss, für den bietet ein Slackline-Baumschutz eine gute Möglichkeit. Ist man möglichst mit leichtem Gepäck unterwegs, kann man nicht genutzte Kleidung wie z.B. Socken oder ähnliches verwenden. Aber Vorsicht, das verwendete Material wird dabei höchstwahrscheinlich klamm oder gar nass.

Hier sind dem Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt und man kann sicher anderes, nicht genutztes Material aus dem Gepäck ebenfalls dazu nutzen. 

Wichtig wäre noch zu erwähnen, das die ausgesuchten Bäume natürlich dick genug sein sollten, damit man im Schlaf nicht plötzlich unsanft geweckt wird, wenn es dem Baum zu viel wird! 15 bis 20 Zentimeter Durchmesser sollten es je nach Baumart mindestens sein. Auch der Standort des Baumes sollte dabei beachtet werden und wenn man sich nicht hundert Prozent sicher ist, lieber einen stabileren Artgenossen zum aufhängen auswählen. 

Die richtige Isolierung

Das Thema der Isolierung gegen Kälte ist bei niedrigen Außentemperaturen natürlich ein sehr wichtiger Aspekt und bedarf auch hier guter Vorbereitung. Es gibt spezielle Hängematten mit einer Einschub-Möglichkeit für Isomatten unter der Liegefläche.

Meine Hängematte verfügt nicht über so eine Funktion, aber mit einer Z-Lite Isomatte von Therm-A-Rest sah ich mich gut gewappnet für die Nacht. In Kombination mit dem richtigen Schlafsack, in meinem Fall ein Daunenschlafsack ( Mountain Equipment Glacier 1000 ), konnte quasi nichts schief gehen.

Von Anderen wurde mir schon berichtet, dass die gewählte Isomatte, je nach Schlafposition oder Hin- und Herdrehen, unter einem wegrutscht. Diese Tatsache war bei mir gar nicht der Fall, da die Z-Lite Isomatte perfekt in die Hängematte passt und diese gar nicht wegrutschen konnte.

Alternativ kann man auch ein so genanntes Underquilt nutzen. Diese werden unter der eigentlichen Hängematte angebracht und schützen, dank einer Kunstfaser-Füllung, zusätzlich vor Kälte von unten.

Mücken- und Regenschutz

Beim Thema Mücken- und Regenschutz gibt es natürlich auch unterschiedliche Ansätze. Manche Hersteller, wie z.B. Amazonas, bieten Hängematten an die bereits über ein integriertes Moskitonetzt verfügen. Optional kann man sich natürlich auch ein separates Moskitonetz besorgen. Der Vorteil liegt jedoch klar bei den Hängematten mit integriertem Netz, da hier auch gleich die benötigten Abspannleinen inklusive sind.

Als Regenschutz bietet sich natürlich ein Tarp ideal an. Mit zusätzlichen Leinen oder wahlweise Reepschnur, lässt sich das Tarp über der Hängematte und zwischen den Bäumen wie ein Zeltdach abspannen und schützt so gekonnt vor äußeren Einwirkungen wie Regen, Sonne oder Wind. Noch dazu hat ein Tarp ebenfalls ein geringes Packmaß und läßt sich zusammen mit der Matte und der restlichen Ausrüstung auf längere Touren perfekt im Rucksack verstauen.  

Der Plan B

Da ich ein Mensch bin der schon seid jungen Jahren immer mal wieder mit Rückproblemem zu kämpfen hatte, war ich mir defintiv nicht sicher ob das mit einer Nacht in der Hängematte wirklich gut geht und ob man das ohne Weiteres aushält. Die Liegepostition ist natürlich nicht mit der gewohnten Art und Weise aus dem eigenen Bett zu vergleichen. Denn je nach dem wie man in der Hängematte liegt und wie sehr diese gespannt ist, hängt man immer ein klein wenig durch. 

Ich selber schlafe eigentlich immer auf der Seite und drehe mich Nachts häufiger von links nach rechts. Und das hat zu meiner Überraschung relativ gut funktioniert. Ich habe mich leicht diagonal in die Hängematte gelegt und somit eine Position gefunden, in der ich wirklich längere Phasen tief und fest geschlafen habe. 

Allerding muss ich gestehen, dass ich natürlich einen Plan B hatte, sollte ich gar nicht zum Schlaf finden. Ich hatte mir in weiser Vorraussicht schon einen geeigneten Platz auf dem Waldboden ausgeschaut, auf dem ich es mir zur Not mit meiner Isomatte hätte bequem machen könnte.

Aber der Plan B musste erst gar nicht in Anspruch genommen werden, den das leichte Schaukeln und die doch relativ komfortable Liegeposition sorgten für einen erholsamen Schlaf.

Thema Biwakieren in Deutschland

Ein rücksichtsvolles Verhalten gegenüber Tier und Natur versteht sich von selbst. Man sollte dabei besonders auf Schon- und Schutzgebiete achten.

In Natur- & Landschaftsschutzgebieten sowie in Nationalparks ist das biwakieren weltweit grundsätzlich verboten. Es sei denn man befindet sich in einer Notsituation.

Biwakieren ist, im Gegensatz zum wild campen, in Deutschland nicht offiziell erlaubt, aber auch nicht verboten. Man bewegt sich daher immer in einer Grauzone. Wenn es möglich ist, sollte man sich immer die Erlaubnis des Grundbesitzers einholen, dann ist man auf der sicheren Seite.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr in unserem Biwak Ratgeber. 

Fazit

Das Abenteuer Hängematte war für mich ein sehr angenehmes und spannendes Erlebnis in der Natur. Okay, es war nicht das erste mal das ich in einer Hängematte gelegen habe. Schon vorher habe ich mal die ein oder andere Stunde im Urlaub in der Hängematte geschlummert. Aber eine ganze Nacht hatte ich noch nicht darin verbracht.

Aber es wird definitiv nicht einfach nur ein Experiment gewesen sein. Für mich ist es ganz klar eine sehr gute Alternative für Trekking-Touren bei denen man im Vergleich zum Reisen mit einem Zelt, noch leichter und flexibler unterwegs sein will.

Mit ein klein wenig Vorbereitung und der passenden Ausrüstung ist das Schlafen in der Hängematte selbst im Herbst und Winter ein echtes Erlebnis.

Stefan Feldpusch

Stefan Feldpusch

Freelancer by doorout.com

Wenn es die Zeit zulässt, bin ich so oft es geht gerne aktiv draußen unterwegs. Egal ob Klettern, Bergsteigen, Wandern, Mountainbiken oder im Winter mit den Langlaufskiern. Im Sommer gerne mit dem Zelt oder dem Caddy-Camper unterwegs und noch dazu seit einigen Jahren Outdoor-Blogger mit Herz auf dem eigenen Blog www.see-you-on-the-outside.de, sowie als Klettertrainer beim DAV aktiv. Als Freelancer im Doorout-Team seit 2017.